Deutschlands wütendste Radfahrerin – viele Gründe und ein Fail

Seit ich in Hamburg wohne, steigert Radfahren mein Agressionspotenzial immens. Meiner Radel-Wut musste ich vor Kurzem auf Facebook Luft machen und war überrascht über das große Feedback. Die Kommentare waren wahnsinnig unterhaltsam. Also dachte ich mir, das könnte doch ein gutes Thema für den Blog sein.:)

Nun also zu den Gründen meiner Wut, denn Hamburg tut viel für die Erhöhung meines Blutdrucks.

1. fehlende Radwege:

Ja, das Problem besteht auch in einer so tollen Stadt wie Hamburg. Manchmal teile ich mir den Fußweg mit wütenden Passanten, mal die Straße mit wütenden Autofahrern. Dennoch fühlt sich jeder gleichermaßen um sein Land betrogen und verteidigt es mit allen Mitteln. Lautes Hupen, energisches Klingeln, klappernde Rentner-Gehstöcke. Oft hat man den Eindruck, dass hier kein Platz für solche Hybridwesen wie Radfahrer ist.

Die Stadt macht sich da auch wenig Gedanken. Manchmal führen Radwegmarkierungen auf die Straße und hören nach 2 Metern auf. So weiß natürlich kein PKW-Fahrer mehr, dass es sich um einen Radweg handelt und so steht mein Wort gegen seins. Und wer gewinnt? Der Stärkere natürlich, denn die Klügere gibt nach (ab und zu).

2. blockierte Radwege:

Wenn es denn mal welche gibt, heißt das noch lange nicht, dass man die auch ausnutzen kann. Hier begegnen einem Leute, die gedankenverloren auf den Bus warten, Hunde, Kinderwagen, Wildkaninchen und verliebte Paare, die ihre Umwelt ohnehin nur verschwommen wahrnehmen. Bei dieser Kategorie von Besetzern hilft noch das liebliche Klingeln meiner Fahrradglocke, auch wenn mir eine von diesen unfassbar lauten Gashupen lieber wäre. Was meint ihr wie die springen würden. Das wäre ein Spaß!:)

Für Alles, was keine Ohren hat und trotzdem den Radweg zustellt, muss ich mir noch was einfallen lassen. Vielleicht setze ich mich mal mit diesem Tumblr-Nutzer zusammen. Der hält Alles fest, was in unserer schönen Hansestadt die Radwege blockiert. Da seht ihr mal womit man hier zu kämpfen hat.
zugebauter Radweg in Hamburg

3. ignorierte Radwege:

Ja Herrschaftszeiten! Ist das denn so schwer? Wenn die Steine rot sind oder auf dem abgegrenzten Streifen kleine Fahrräder aufgemalt sind, dann handelt es sich um einen Radweg. Wenn das ein Parkplatz wäre, hätten die da ein P draufgemalt. Dafür braucht man keine Fahrschule, das ist selbsterklärend. Und dennoch erschließt sich nicht jedem die Logik. Allein auf der Straße kurz vor meiner Arbeit parken auf 200 Metern Radweg mindestens 3 Autos. Und das liegt nicht etwa an fehlenden Parkplätzen (auf der anderen Straßenseite ist ein riiiiiieeeeesiger REWE. Nahein! Die Faulheit der Menschen zwingt sie dazu. Ich hatte sogar schon mal Zettel vorbereitet, auf denen ein schlimmer Radfahrer-Unfall zu sehen war und der Satz „Ich hoffe sie hatten einen kurzen Weg. Mich könnte ihre Bequemlichkeit das Leben kosten.“ Oder „Ich hoffe ich habe ihren Wagen nicht vollgeblutet, als mich das Auto erfasst hat, weil ich dank ihren auf die Straße ausweichen musste.“Fahrradwegsymbol

Bisher hab ich es jedoch bei ermahnendem Kopfschütteln belassen, bis auf ein mal. Da war der Tag eh schon im Eimer (siehe Fail am Ende). Ich sehe einen Mann aus seinem Wagen steigen, der ihn gerade auf meinem Radweg geparkt hat und erlaube mir ihm die Verkehrsregeln näher zu bringen. Die Unterhaltung verlief so:

Ich: „Entschuldigen Sie, aber Ihnen ist schon bewusst, dass es sich hierbei um den Radweg handelt und nicht um eine zusätzliche Parkfläche?“

Autofahrer: „Halt die Fresse, blöde Schlampe!“

Ähäm ja, was soll man da erwidern? Auf dieses Niveau lasse ich mich für gewöhnlich nicht herab, also bin ich einfach weitergefahren. Hier hätte mir auch die Gashupe von vorhin nichts genützt. Ich könnte mir aber sehr gut eine Panzerfaust vorstellen. So was unterm Arm würde meiner Meinung sicher mehr Gewicht verleihen. So à la „Schaffst du dein Auto weg oder soll ich?“ 🙂

4. Vorfahrt schneiden:

Manchmal glaube ich Autofahrer bilden sich ein zu wissen was Radfahrer denken. Schon oft hab ich in den Gesichtern gelesen „Oh, du fährst mit dem Rad, weil es so entspannend und gemütlich ist. Ich hingegen habe keine Zeit für solche Späße. Also wird es dich ja nicht stören, wenn ich die gelb-rote Ampel noch mitnehme und dir den Radweg schneide.“

Meiner Einer gehört jedoch nicht zu der Gruppe Radfahrer, die das macht um entspannt Natur zu erleben (wie auch zwischen Lastwagen und Ampelphasen?!). Ich radle, weil ich so schneller von A nach B komme und weil ich für jede verbrannte Kalorie ein Stück Schokolade mehr esssen kann. Meine Schokoladensucht gepaart mit Ungeduld sorgen dafür, dass ich nun mal schnell fahre. Zudem bin ich stur genug auf meinem (Vorfahrts-) Recht zu beharren. Auf Biegen und Brechen. So kommt es schon mal zur ein oder anderen Vollbremsung bei mir oder dem Gegenüber. Ich sehe aber auch nicht ein, warum ich, wenn ich schon mal fahren darf, nicht fahren sollte. Oder möchte mich jemand vom Gegenteil überzeugen?

 

So und wer sich jetzt geduldig mein ganzes Gemecker durchgelesen hat, der bekommt auch den versprochenen Fail:Frisch gestrichen Fail

Japp, true story. Ich habe Hamburg meinen Stempel auf gedrückt. Nur leider war des weniger wie beim Walk of Fame sondern eher ein Walk of Shame. Die Farbe ist nämlich plausiblerweise wasserfest und schnelltrocknend. Ergo geht sie auch nicht mit Wasser und Seife ab (auch nicht mit Desinfektionsmittel oder Nagellackentferner -.-).

Deshalb hätte ich auch in diesem Fall die Anbringung eines „frisch gestrichen“-Schildes besonders ratsam gefunden. Und gerade, wenn etwas die Aufschrift „Bitte Berühren“ trägt, ist es um so wichtiger darauf hinzuweisen, wann man es lieber lassen sollte. Das ist jedoch nur meine bescheidene Meinung. -.-

PS: Sollte jemand auf die Idee kommen es mir gleich zu tun, der möge ein Stück Butter bereithalten um das schillernde Anthrazit wieder von den Fingern zu entfernen.

Quellen: Coverbild: Flickr/Carsten Frenzl, Radwegzeichen: Flickr/hszemi
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6 Kommentare zu “Deutschlands wütendste Radfahrerin – viele Gründe und ein Fail

  1. Hallo 🙂 Ich wäre soooooo durchgedreht wegen der Farbe 😀 .. War am Wochenende in Hamburg und find das echt krass, also Fahrradfahrer möchte ich da nicht sein. Hab dazu auch was auf meinem Blog gepostet. Also nicht über Fahrradfahrer aber allgemein über Hamburg 😀 Würde mich freuen, wenn du mal reinguckst 🙂
    Übrigens hast du ein sehr interessanten Blog 🙂
    Macht Spaß zu lesen, alsoooo hast du n Follower mehr 🙂
    Lieben Gruß und noch eine schöne und hoffentlich stressfreie Woche 😉

    Angi

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  2. Haha! Ich habe gerade herzlich gelacht, da mir all die Situationen sehr bekannt vorkommen.
    Auch die Idee mit dem Drucklufthorn hatte ich schon.

    Es ist wahrscheinlich nur ein schwacher Trost, aber hier in Berlin verhält es sich ganz genau so.

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